Magical Rishikesh
Seit drei Tagen bin ich nun hier in Rishikesh, die Stadt der Yogis und Ashrams, wie es so schoen heisst und ja, es ist voll von Angeboten mit Yoga, Meditation, Handlesen, Vedic Astrology, Ayurveda - alles was das Herz begehrt. Jeder Stand verkauft Malas (indische Rosenkraenze um Mantras aufzusagen) aus verschiedensten Materialien, Goetterfiguren in allen Formen und Materialien, aus den Lautsprechern ertoent ununterbrochen Mantramusik und dazu das Gebimmel der Tempelglocken, die man beim Besuch jeweils laeutet - und es hat sehr viele Besucher.
Schon als ich in Haridwar fruehmorgens aus dem Zug gestiegen bin, hab ich gespuert, dass es mir hier gefaellt. Und als ich dann in Rishikesh angekommen bin, hab ich gewusst, dass ich hier ein Weilchen bleiben werde. Die Stadt liegt am Ganges und ich bin mir sicher, dass die heilige Energie diesen Ort so zauberhaft macht. Natuerlich auch die ganze spirituelle Energie hier, die vielen indischen Touristen, die aus religioesen Gruenden kommen und die westlichen Traveller, die auch - die meisten auf jeden Fall - der Spiritualitaet wegen kommen.
Ich hab dann auch gleich am ersten Tag Josef kennengelernt, ein Amerikaner aus Oregon, der seit 1,5 Jahren in Indien lebt, Ayurveda Therapeut ist und sich hier bestens auskennt. Er hat mich dann gleich auf eine Tour durch den Ort mitgenommen, mir die verschiedenen Ortsteile und gute Restaurants gezeigt und mir diverse Tips gegeben. War perfekt! Am zweiten Tag hab ich in meinem Guesthouse Ruth aus Deutschland kennengelernt, sie ist ca. 55 und hat ihren Mann vor kurzem verloren. Jetzt reist sie drei Monate alleine durch Indien. Hab auch mit ihr einen spannenden Tag verbracht, nur dann am Abend gemerkt, dass ich Zeit fuer mich brauche. Hab ich mir dann auch genommen und bin gestern zum Prembaba-Satsang gegangen - Satsang bedeutet in Sanskrit 'Zusammenkunft fuer die Wahrheit', was soviel heisst wie dass eine bestimmte Person oder Guru eine Lesung ueber ein bestimmtes spirituelles Thema haelt. Prembaba ist ein brasilianischer Guru - lustige Kombination! War wunderschoen, am Anfang haben wir Bajans gesungen, das sind hingebungsvolle Songs und Mantras, die von einer Band begleitet wurden, mit brasilianischem Flair. Dann hat der Guru - der eine unheimlich starke Ausstrahlung hat - ueber Sexualitaet geredet. Sehr gut und von einem sehr modernen Standpunkt aus. Am Schluss sind dann die Leute aufgestanden und haben sich in eine Reihe gestellt. Ich hab mich schon gefragt, wofuer, als einer nach dem andern dann angefangen hat, sich vor Prembaba zu verbiegen und seine Fuesse zu kuessen. Hmmm... Ich weiss, dass dies eine Form der Hingabe ist, die man bei Goettern macht, zum Beispiel bei Ganesh. Das ist aber was anderes, da ja Ganesh schliesslich ein Halbgott ist und kein Mensch. Drum hab ich einfach mal zugeschaut, es hatte ca. 50 Leute im Raum, so fiel es gar nicht auf, dass ich mich nicht in die Reihe gestellt habe. Hab mir das dann gut ueberlegt und schlussendlich gedacht: ok, die Lesung war sehr interessant und ich konnte was lernen, die Atmosphaere war wunderschoen, viel Liebe und wunderbare Songs und er hatte frische Socken an - also mach ich das mal, einfach auch als Erfahrung. Und so bin auch ich in diese Reihe gestanden, hab mich zur Musik hin und herbewegt und hab meine Stirn auf Prembabas Fuesse gelegt.
Spaeter im Cafe hab ich dann einen russischen Schamanen aus Israel getroffen, der mir erklaert hat, dass seiner Meinung nach der Prembaba die Leute hypnotisiert. Hab dann spaeter im Ganges gebadet, fein gegessen und mit dem Schamanen Charrass geraucht. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
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